Die Projekte der EGA
Ein europäisches Netzwerk, das sich nachhaltig für Bücher und Kultur einsetzt. Das Borges-Projekt: ein Internet-Tool für eine literarisch und intellektuell grenzüberschreitende Gemeinschaft. Die Organisation von "Wanderkonferenzen“ in verschiedenen europäischen Städten. Ein Hilfsfonds für vielseitige Übersetzungen sowie eine jährlich veröffentlichte Liste der fehlenden Übersetzungen in Europa. Das sind die ersten vier Projekte der EGA...
Projekt 1
Aufbau eines europäischen Netzwerkes von Autoren, Übersetzern und Verlegern
Das Projekt der EGA wurde parallel zu einem Appell europäischer Philosophen, Künstler und Akademiker geplant und entworfen, einem Aufruf, in dem unter anderen Yves Bonnefoy, Edgar Morin, Barbara Cassin, Etienne Balibar, Adonis und Michel Deguy den Aufbau einer gemeinsamen europäischen Kultur fordern, wobei die Notwendigkeit der Übersetzungen im Mittelpunkt steht.
Die EGA versteht sich als offenes Netzwerk für alle Autoren, Übersetzer, Vermittler und Verleger, die eine europäische Textgemeinschaft schaffen wollen.
Aufgabe des Netzwerkes ist es, intellektuelle und literarische Debatten in Europa anzuregen und zu fördern, sowie eine europäische Identität jenseits der nationalen Denkweisen zu schaffen, deren Werte sich auf die Kultur, das Teilen und die Weitergabe berufen. Das Netzwerk der EGA wird an erster Stelle die Vermittlung der Werke zwischen den verschiedenen Sprachen fördern. Außerdem will das Netzwerk die Lücken, Unzulänglichkeiten und Mängel der europäischen Übersetzungen identifizieren, indem es in allen Bereichen - Belletristik und Sachbuch, klassischen und zeitgenössischen Texten - die Werke hervorheben wird, deren Übersetzung Vorrang haben sollte, als Gegenstimme zu der Marktlogik vieler Verlage.
Projekt 2
Das Borges/TLHUB-Projekt (Translation & Literary Hub): eine Internetplattform für europäische Autoren, Übersetzer und Verleger. Ein europäisches und soziales Netzwerk rund um die Literatur.
Das Borges-Projekt befindet sich noch in der Entwicklungsphase. Eine erste Version soll Ende 2011 fertiggestellt werden. Das Ziel ist die Entwicklung eines Arbeitsinstrumentes, das alle Vorteile des Web 2.0 nutzt. Ein sogenanntes "offenes Tool", das den Autoren, Übersetzern und Verlegern zur Verfügung gestellt wird, um den Austausch und die Beziehungen zwischen den europäischen Sprachen zu erleichtern.
Das TLHUB-Projekt bietet den Autoren, Übersetzern und Verlegern zahlreiche Möglichkeiten ihre Arbeiten vorzustellen: Auszüge aus Büchern, Probeübersetzungen, Audiobeiträge und Videos von Performances oder öffentlichen Lesungen können online gestellt werden. Das Borges-Projekt will auch eine Online-Bibliothek aufbauen, hierfür werden Kontakte mit wichtigen öffentlichen Bibliotheken überall auf der Welt aufgenommen.
Das Borges-Projekt ist als halb-offenes Netzwerk gedacht (anders als soziale Netzwerke wie Facebook oder Myspace). Deshalb werden ausschließlich Autoren, Übersetzer und Verleger einen vollständigen Zugang zum Inhalt bekommen. Die Leser-Gruppe besitzt ebenfalls einen Zugang zur Plattform, allerdings wird der Zugriff auf den Inhalt nur eingeschränkt möglich sein.
Das Borges-Projekt wird momentan entwickelt (u.a. Zusammenarbeit mit der Europäischen Übersetzerwerkstatt Arles und Actia Luna). Eine erste Version der Plattform soll Ende 2011 für die ersten Nutzer freigegeben werden. Die EGA benötigt jedoch bereits jetzt finanzielle Unterstützung, um das Projekt weiterentwickeln zu können: Übersetzung der Nutzeroberfläche in mehrere Sprachen, Präsentation des Projektes in den europäischen Übersetzungsschulen, Aufnahme der Partnerschaften mit den großen Staatsbibliotheken usw.
Projekt 3
Aufbau einer gemeinsamen Kultur: die "Wanderkonferenzen"
Die Idee einer "Wanderkonferenz“ wurde von Bob Dylans Never Ending Tour inspiriert sowie vom traditionellen Wanderzirkus. Sie übernimmt auf ihre Weise die Identität eines innereuropäischen Exils, indem sie von einem Land in ein anderes zieht, von einer Stadt in eine andere, von einer Sprache in eine andere.
Um ihren Zyklus der "Wanderkonferenzen“ durchzuführen, arbeitet die EGA eng mit den Autoren, Übersetzern, Vermittlern sowie den verschiedenen Institutionen (Buchverlagen und Kulturstätten) zusammen, die diese Initiative übernehmen und weiterführen können. Thema und Ziel dieser Konferenzen ist stets die Perspektive des Aufbaus einer gemeinsamen europäischen Kultur in mehreren Sprachen: die Thematik des Vermittelns, der Übersetzung, der Mehrsprachigkeit, des Reisens der Werke...
Die EGA hofft, dass die Konferenzen auf ihrer Reise von einer Stadt in die nächste einen Beitrag zur Vertiefung der Kenntnisse der verschiedenen europäischen Werke leisten.
Unsere nächste Etappe: eine Sprachkarawane rund um das Thema Grenzsprachen und utopische Sprachen.
Projekt 4
Eine vielseitige Übersetzungspolitik: auf literarische & intellektuelle Lücken in Europa hinweisen.
Schaffung eines europäischen Übersetzungsfonds
Fehlende Übersetzungen: Finnegans Liste
Von 2010 an wird die EGA jedes Jahr eine Liste klassischer und zeitgenössischer Werke veröffentlichen, die bisher nicht ausreichend in andere Sprachen übersetzt wurden oder in Vergessenheit geraten sind. Diese von 10 mehrsprachigen Autoren erstellte Liste wird jedes Jahr erneuert (wobei immer wieder neue Schwerpunkte gesetzt werden). Mit den Jahren entsteht mit Hilfe der Finnegan-Listen ein wichtiges Arbeitsinstrument zur Analyse und weiteren Entwicklung der Übersetzungen in Europa - eine Fundgrube für Verleger, Übersetzer und Leser.
Ein europäischer Fonds für eine vielfältige Übersetzungspolitik
In den nächsten Jahren möchte die EGA die in den verschiedenen Ländern existierenden nationalen Übersetzungshilfen um ein zutiefst europäisches Konzept erweitern. Ein neues Vorbild soll geschaffen werden, Übersetzungen sollen nicht mehr als Export einer "nationalen" Literatur und/oder als Import einer "fremden" betrachtet werden. Um dem entgegenzuwirken, möchte die EGA einen Übersetzungsfonds schaffen, der auf europäischer Ebene als eine Art Knotenpunkt - als Begegnungsstätte - agiert.
In einem Europa, das unabhängig von den politischen und wirtschaftlichen Bestrebungen momentan auf der Suche nach seiner Identität ist, sind Übersetzungen von größter Wichtigkeit. Übersetzungen sollten nicht mehr im herkömmlichen Kontext Sprache-Nation betrachtet werden, sondern sie als eine "innereuropäische" Realität und Notwendigkeit.
Aus diesem Grund will die EGA mit Hilfe bereits bestehender staatlicher wie privater Unterstützer, die Idee eines europäischen Fonds der vielseitigen Übersetzungen fördern.


